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Juz-Punker machen ernst

Juz-Punker machen ernst

Nachdem die Stadtverwaltung den Nutzungsvertrag zum 30.September diesen Jahres mit dem Jugendzentrum St. Ingbert unerwartet, aber für Insider doch nicht so überraschend, gekündigt hat, gehen die JuZ-Punker, die ihr Zuhause nun in Gefahr sehen, auf die Barrikaden.

Nicht nur, dass sie unter Nutzung medialer und technischer Errungenschaften dem Argument, ihrem Pöbel,  zurecht Ausdruck verleihen, sondern insbesondere durch ihr parochiales Auftreten machten und machen sie in Vergangenheit und Gegenwart sich unter den Bürgerinnen und Bürgern und den Jugendlichen St. Ingberts keinen guten Eindruck. Um den ging es ja auch nie, wollte man doch stets immer seine Distinktion im Abgrenzen von den Bürgern unter Beweis stellen, den bürgerlichen Verhältnissen der Eltern wenigstens für Stunden und das Wochenende entronnen zu sein.  Ihre Legitimation zum Punker Dasein bezogen sie sich ja sowieso immer in der permanenten Vorführung der Sinnlosigkeit und Erbärmlichkeit der Existenz ihrer bürgerlichen Eltern und ihrem gescheiterten Erziehungsauftrag.  Diese Protesthaltung, die sich zum einen aus jugendlichem Leichtsinn, aus der inszenierten Asozialität und dem demonstrativen Kaputtsein ausdrückte, war in St. Ingbert dann doch nicht so die Selbstinszenierung als wertlose Abfallprodukte, wie man es sonst von der deutschen Punkszene gewohnt war. Dennoch kommt in St. Ingbert das Punk-Pendant der Deformation zum Ausdruck: Elendsverwaltung in Form der Überbringung der Nachricht, wertloser Menschenmüll und Abschaum zugleich zu sein, eine selbsterfüllende Prophezeiung, die sie ja dann als Gegenentwurf vermeintlich zu manifestieren versucht haben.

So führten sie unter der Parole „ Eine Wasserschlacht wie man sie normalerweise nur am JuZ zu sehen bekommt…“  am  Mittwochmittag, dem 16.07.08 unter Teilnahme auch von Kindern vor, welches Lebensgefühl, die zum Teil verwahrlosten Elendsgestalten in ihrem JuZ all die Jahre trieben. Wie Phobiker, die von Panikattacken beigewohnt werden, sobald sie Rausgehen zeigten sie sich dann zu aller Überraschung doch in der Innenstadt, dem sie sonst aus dem Wege gingen, zählte doch die Innenstadt zu den No-Go-Areas unter den hartgesonnenen JuZlern.  Das Grillen vor dem Rathaus, das wenige Tage zuvor auch noch als Erfolg gefeiert wurde, offenbart den geistigen Zustand der JuZ-Besucher. Sie ist nur Ausdruck dessen, dass die Verwahrlosung ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hat. Interventionen städtischerseits sind darum nur zu begrüßen.

 Was wollte man damit ausdrücken? Dass in Zukunft statt dem versifften Hinterhofgrillen nun in Zukunft bei Schließung des Jugendzentrums das Rathaus in „Pennermanier“ zu dem neuen Stammplatz wird? Dass in Zukunft bei Schließung zu dem Beat von Atari Teenage Riot „Riots“ die Innenstadt lahm legen werden?

Wer nach politischen Inhalten sucht, sollte sich beschämend in die Lokalitäten jener geistigen Befürworter dieses Elendes zurückziehen: Nämlich in die der Jusos und Jungen Grünen, die wohlgemerkt, mit dem Jugendzentrum nur ihren jugendpolitischen Dünnschiss loslassen, aber sonst dem Jugendzentrum aus dem Wege gehen.

 Überhaupt ist eine rigide Ablehnung und gar Verachtung pluralistischer Lebensgestaltung die bindende Kraft all jener, die sich zu den eingelebten Besuchern des Jugendzentrums zählen. Außenstehenden entsteht der Eindruck, es mit Gestalten zu tun zu haben, die in ihrem Hass gegen das Bürgerliche ihren destruktiven Trieben freien Lauf lassen. So ist die Aussage des JuZ-Führers Timo Abel als eine Illusion zu bewerten, wenn er stolz verkündet:

„Hier treffen sich Menschen sämtlicher Altersstufen, Jugendkulturen, Nationalitäten, religiöser und politischer Anschauungen. Hier fanden und finden Musik- und Rapworkshops genauso statt, wie Öffentlichkeitarbeits- und Theater-AGs“

Schönrederei? Politisches Kalkül? Techniken der PR? Oder doch Angst vor dem Bedeutungsverlust? Jegliche Kommentare kann man sich wohl ersparen, will man sich nicht der Leichenschändung schuldig machen.

Eine Musikschule soll sich in den Räumlichkeiten des Gebäudes in der Pfarrgasse in Zukunft etablieren. Offen für alle Kinder und Jugendliche gleich welcher Gesellschaftsschicht. Dies ist ein Modellprojekt, das seit Jahren in St. Ingbert insbesondere die musikalischen Talente junger Menschen fördert. Eltern, die sich keinen teuren Privatunterricht leisten können, finden dort unter Anleitung von Musiklehrern um  Everard Sigal professionelle Betreuung. Die Ausbildung an der Musikschule geschieht im Einzel- und Gruppenunterricht für Streichinstrumente, Blasinstrumente, Tasteninstrumente, Schlaginstrumente und Gesang. Musikalische Früherziehung für Kinder von vier bis sechs Jahren und die musikalische Grundausbildung für Kinder von sechs bis acht Jahren runden das Programm.  So ist die Musikschule ein Beitrag für eine gelungene offene Bildungs- und Jugendarbeit, die Allen offensteht.

Einwände von Bands, wie Jelly Toast, die ihre musikalische Karriere in den Proberäumen des Jugendzentrums begannen, stellen eine Ausnahme dar und sind mehr das Produkt der Eigeninitiative und des Talentes, denn der Atmosphäre des Jugendzentrums zu verdanken. Es ist absurd, wie Musiker jungen Menschen verwehren, ihre musischen Talente ausleben zu können. Sie ignorieren kaltblütig die Tatsache, dass Kindern aus der Unterschicht so die Möglichkeit zu Musizieren entzogen wird, wenn sie darauf Beharren, dem Jugendzentrum ihre Solidarität auszusprechen, statt eine Musikschule in der Nähe der Innenstadt zu verlangen.

Wie ist das Jugendzentrum jugendpolitisch und pädagogisch zu bewerten? Erfüllt es die Anforderungen der offenen Jugendarbeit?

Offene Jugendarbeit ist gekennzeichnet durch das Prinzip der Offenheit. Das heißt, Räume sind für alle zugänglich, ein unverbindliches Kommen und Gehen der Jugendlichen ohne Mitgliedschaft oder Verbundenheit ist die Regel.

Ziel der offenen Jugendarbeit ist eine gesellige Atmosphäre die Jugendlichen zu Eigeninitiative anregt, ihre Freizeit selbst sinnvoll zu gestalten. Der offene Rahmen soll Raum zur Regenerierung, zur Entwicklung, Entfaltung und Bildung der Persönlichkeit bieten. Er soll Lernfeld und Einübungsplatz für soziale Verhaltensweisen sein, soziale Kompetenzen fordern und fördern.

Das Jugendzentrum jedoch schreckt, so nach mehreren Gesprächen mit St. Ingberter Jugendlichen ab. Da wird von Drogenkonsum berichtet, von politischer Indoktrination und von einer chaotisch-anarchistischen Lebensführung, dass Elendsverwaltung als Selbstverwaltung kaschiert. Auch berichten Jugendliche, dass sie anfangs mit Skepsis empfangen werden, so als ob sie Eindringlinge wären. Nach einer Weile ist ein politisches Bekenntnis Pflicht, sonst droht die Ausgrenzung.

Die Frage stellt sich nun, ob jugendpolitisch eine Selektion der Besucher konträr der offenen Jugendarbeit entgegensteht und wie fern Konsequenzen gezogen werden müssen, falls dies zutrifft.

Jugendpolitisch und bildungspolitisch ist die Kündigung der Räumlichkeit in der Pfarrgasse zu begrüßen, ob es einen neuen Ort geben wird steht nicht zur Diskussion, den wird es geben, wie Oberbürgermeister Georg Jung (CDU) in einem Interview versichert. Er stehe zum Jugendzentrum und betont die Dynamik einer jeden Stadt, die nie statisch sei und stets in der Entwicklung begriffen sei.

Dem haben die JuZ Leute, wenn wundert es, nicht viel entgegenzusetzen.“ Das JuZ bleibt statisch“ posaunen sie auf ihrem Blog und wie recht sie haben, bleibt dem nicht hinzuzufügen, will man schweigen, um dem Elend keine gesonderte Aufmerksamkeit zu schenken.

Letzten Endes führen sie in aller Deutlichkeit vor, was unter geistiger Verwahrlosung zu verstehen ist:

Sie wehren sich gegen ihre „Abschiebung“. Ein Begriff aus dem Asylverfahrensgesetz, dass die bundesrepublikanische Abschiebung von Hunderten jedes Jahr rechtsstaatlich legitimiert. Eine Praxis, die viele Kinder, Frauen und Männer, Alte und Junge  vor, während und nach der Abschiebung mit dem Tode zahlen mussten. Allein seit 1991 sind mindestens zehn Flüchtlinge bei ihrer Abschiebung durch massive Polizeigewalt getötet worden. Hinzu kommen mehrere Dutzend Todesfälle während der Abschiebehaft und zahlreiche Selbsttötungen vor und auch noch während der Abschiebung. Von Todesfällen durch Repressionen und Folter nach der Abschiebung in die Herkunftsländer ganz zu schweigen.

Es ist eine Mutmaßung sich als von Abschiebung Betroffene auf dem Präsentierteller darzustellen. Es ist ein Verpönen all der Opfer der deutschen Abschiebepraxis.

Für die Stadtverwaltung war es nur eine Frage der Zeit, wann die Kündigung des Nutzungsvertrages ausgesprochen wird. Dass eine Kündigung ausgesprochen werden wird, war schon seit Jahren Konsens, stellt gewiss das Jugendzentrum eine Bedrohung für die Ziehväter der Christdemokraten dar.

Dieser Artikel wehrt sich vehement dagegen, in die Ecke jener kommunalpolitischen Kräfte gestellt zu werden, die von CDU und Junge Union geprägt sind, die im Allgemeinen gewiss Vorurteile gegenüber einem Jugendzentrum in Selbstverwaltung hatten und haben. Jedoch ist es nicht die Absicht des Autors, in die Hände dieser Kräfte zu spielen. Schnittstellen sind nicht zu vermeiden und wenn dann abzuwägen und dementsprechend zu bewerten. Für den Autor ist der mögliche Trugschluss bewusst. Doch dies gibt keinerlei Aufschluss über den Wahrheitsgehalt seines Artikels, steht die Frage über die Notwendigkeit alternativer Strukturen für ihn außer Frage.

18.7.08 21:18
 


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